4. Juli 2011 von SommerInterview (7 Posts)8 mal gelesen
Das Absatz-Jo-Jo entlarvt die Sinnlosigkeit der Abwrackprämie. Die staatlichen Zuschüsse von 2500 Euro pro Autokauf sollten eigentlich die Konjunktur in der schlimmsten Wirtschaftskrise nachhaltig ankurbeln. Entstanden ist aber nur ein teures Strohfeuer ohne jeglichen Bestand. Hier wurden fünf Milliarden Euro der Steuerzahler sinnlos vergeudet. Daher erleben Autohändler und Hersteller in diesen Monaten einen nie zuvor erlebten Einbruch ihrer Neuwagenabsätze. Statt zu jammern, ertragen sie die Entwicklung jedoch mit außergewöhnlicher Gelassenheit. Diese vornehme Zurückhaltung ist einzig der Tatsache geschuldet, dass dieselben Geschäftsleute erst ein Jahr zuvor ebenso exorbitante Zuwächse verbuchten. Und sie wissen: Beide Entwicklungen sind weder ihren Verkaufskünsten noch ihrer extravaganten Modellpolitik zu verdanken, sondern einzig Folge der Abwrackprämie: Durch die staatlichen Kaufanreize wurden Käufe vorgezogen, die jetzt in ähnlichem Umfang fehlen.
Die Bundesregierung sollte aus dieser Erfahrung lernen. Konjunkturprogramme helfen nicht, bereits gesättigten Märkten neue Impulse zu geben. Wenn die starke Autolobby schon um Hilfe vom Staat bittet, sollten Zuschüsse künftig wenigstens zielgerichtet in die Entwicklung neuer, umweltfreundlicherer Antriebe und Wagen gesteckt werden. Hier hat die deutsche Industrie noch Nachholbedarf. Sparsamere Motoren eröffnen nicht nur neue Chancen im weltweiten Markt, sondern helfen langfristig allen Deutschen, in einer abgasärmeren Umgebung zu leben.
















Griechenland steht bereits mit einem Bein über dem finanziellen Abgrund. Ohne weitere Hilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds ist der Absturz nicht mehr aufzuhalten. Doch die Euro-Gemeinschaft zögert, verliert sich in endlosen Diskussionsrunden, wirkt plan– und hilflos. Als besonders verheerend könnte sich hier die Uneinigkeit zwischen den beiden führenden Euro-Nationen Deutschland und Frankreich herausstellen. Während die Bundesregierung sich vehement für eine Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Griechenland-Hilfen einsetzt, tritt Paris auf die Bremse. Denn gerade die französischen Privatbanken sind im großen Stil in Griechenland engagiert, haben sich mit Staatsanleihen des Fast-Pleite-Staates eingedeckt. Ein Verzicht auf einen Teil dieser Forderungen könnte dramatische Folgen für einige dieser Geldhäuser haben.
Und dennoch wird am Ende kein Weg an einer Umschuldung vorbeiführen, zu der auch die privaten Gläubiger ihren Teil beitragen müssen. Denn letztlich haben gerade die Banken in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel verdient mit Anleihen aus Südeuropa. Doch höhere Renditen bedeuten auch höhere Risiken. Diese Regel kann nicht nur für Kleinanleger, sie muss ebenso für Großbanken gelten. Wer allerdings der Meinung ist, dass die Kosten der Griechenland-Rettung so vom Steuerzahler auf die privaten Geldinstitute verlagert werden, der irrt gewaltig.
Die folgenden Zahlen verdeutlichen dies: So stehen die Griechen bei der Deutschen Bank mit weniger als zwei Milliarden Euro in der Kreide, bei der verstaatlichten Hypo Real Estate sind es mehr als sieben Milliarden, und bei der Europäischen Zentralbank lagern nach aktuellen Schätzungen sogar griechische Staatsanleihen im Umfang von rund 50 Milliarden Euro. Am Ende wird folglich vor allem der Steuerzahler bluten, ganz gleich wie das Griechenland-Abenteuer ausgeht, ob Umschuldung oder Staatspleite. Nur die Höhe der Rechnung kann jetzt noch beeinflusst werden.