28. August 2010 von vomLehmWolffried (29 Posts)120 mal gelesen
Die Gefahr, ihren technologischen oder organisatorischen Vorsprung rascher als gedacht zu verlieren, droht vor allem Hightech-Firmen. Das reicht vom in Gütersloh stark vertretenen Maschinenbau nebst Zulieferern über den Buchdruck bis hin zu Metallfirmen, Energieversorgern oder der Chemie– und Pharmaindustrie. Denn gerade Spionage und Verrat zählen zu den ältesten Vergehen der Menschheit. Heute wird der Kampf um die Informationen für morgen vor allem als Wirtschaftskrieg geführt. Kenntnisse sollen nicht teuer erarbeitet, sondern günstig und rasch kopiert werden, um damit den Vorsprung eines Wettbewerbers oder eines Landes so rasch aufzuholen wie es sonst niemals möglich gewesen wäre. Das ist kriminell. Mehr Vorsicht, mehr Sorgfalt sind angesagt. Mit ihnen lässt sich das Know-how für Made in Germany sichern — der Vorsprung, der Deutschland zur Exportnation machte und der derzeit den Aufschwung trägt.
Argwohn hegte somit niemand, wenn abends die Putzfrau in der Büroetage unterwegs war. Ihr Interesse an Schreibtischen, Regalen und Personalcomputern schien nur dem Staub zu gelten. Dass sie mit einem 400 Euro teuren Kopierstift ähnlich einem Textmarker ganze Schriftsätze kopierte und sich über ein unverdächtig aussehendes, am Morgen angestöpseltes Kabel alle an einem Tag verwendeten Passwörter sicherte, hätte ihr ohnehin keiner zugetraut. Doch der Dame aus Osteuropa ging es sowieso nicht primär um die acht Euro Stundenlohn, sie hatte ganz andere Aufgaben. Wie sie werden immer häufiger Spione in Unternehmen eingeschleust, um für ihre Heimatstaaten wirtschaftlich wichtige Entwicklungen auszuspähen und die begehrten Daten auf ihre Weise zu besorgen.
So sollte vor Auslandsreisen überlegt werden, welche Informationen auf welchen Speichermedien mitgenommen und wie sie geschützt werden. Für das Unternehmen selbst gilt: Es muss klar festgelegt sein, wer wie viel von welchen Daten einsehen darf. Oftmals ist die “Schwachstelle auch der Mensch”. Man muss nur einmal in der 1. Klasse Bahn fahren und sehen, wie offen Informationen in den Laptops einzusehen sind. Als Qualifikation für einen Spion reicht es in solchen Fällen mitunter schon aus, einfach gut lesen zu können. Solche Sorglosigkeit kann jedoch weiterreichende Folgen haben. OWL lebt von seinem Know-how, wenn davon zu viel abfließt, verliert das Land seinen Wissensvorsprung. Dagegen müssen wir uns wehren um nicht ausspioniert zu werden. Nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sehen Länder wie China oder Russland dieses Vorgehen als notwendig an. Sie unterhalten Tausende von Agenten, Beobachtern und Zuträgern, die jede Möglichkeit nutzen, vielversprechende Informationen zu liefern. Daran wird sich voraussichtlich so rasch nichts ändern.
Für ein Exportland wie Deutschland ist Spionage eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Deshalb kommt es darauf an, eine Gegenwehr zu organisieren. Firmen müssen sich aber selbst Fragen stellen. Wo kommt der Praktikant her, der so passgenau alle Anforderungen erfüllt? Wie viele Angestellte müssen über Betriebsinterna Bescheid wissen? Lässt sich dieser Personenkreis nicht deutlich begrenzen? Solche Überlegungen können Millionen sparen.
















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