21. August 2010 von JWD (199 Posts)199 mal gelesen
Vor zehn Jahren haben Unternehmer möglicherweise noch nicht damit gerechnet, sich jemals intensiv mit Fragen der Büroorganisation auseinandersetzen zu müssen. Die Verwaltungsarbeiten konnten seinerzeit mit den vorhandenen Strukturen weitgehend reibungslos abgewickelt werden. Marktlage und Preisgefüge überdeckten so manchen organisatorischen und kalkulatorischen Mangel. Zwischenzeitlich hat sich manches geändert. Die Zahl der Verwaltungs-Beschäftigten hat sich branchenübergreifend fast verdreifacht. Führte früher jedes zweite Angebot zu einem Auftrag, so müssen heute zehn aufwendige und kostenintensive Kalkulationen erstellt werden, um zum Erfolg zu kommen. Konnte man vor Jahren manche Abmachung mündlich treffen, ohne Gefahr zu laufen, dass sie am Ende zum Nachteil gewertet wurde, muss heute jede Vereinbarung ausdrücklich rückbestätigt werden.
Mehrleistungen sind schriftlich zu begründen, Auftragsunterlagen aufwendigen Prüfungsverfahren zu unterziehen. Allein die Organisation von Entsorgungsmaßnahmen, die Befolgung von Umweltauflagen und die Neustrukturierung der Lagerbestände unter dem Gesichtspunkt minimaler Verpackungs– und Transportsaufwands erfordern heute — und das nicht nur bei Westaflex — einen Verwaltungsbedarf, mit dem sich in früheren Jahren das komplette Unternehmen steuern ließ. Ganz offensichtlich und historisch gesehen, wurde der erhebliche Bedarf an büroorganisatorischem Wissen, als die Verlegung des Unternehmens in größere Räumlichkeiten anstand. Fragen, um die man sich früher nie ausdrücklich kümmerte, gewannen an Bedeutung. In welcher Form sollen Auftragsinformationen an die Mitarbeiter im Lager und in der Montage weitergegeben werden? Macht man das traditionell mit schriftlichen Aufträgen, die vielleicht sogar noch von Hand mit Hinweisen ausgefüllt werden, oder kann man Mitarbeitern die notwendigen Angaben zur Leistungserstellung per Bildschirm übermitteln? Ist es überhaupt noch notwendig, dass die Boten wie seit Generationen morgens quer durch die Stadt fahren, lediglich, um ein Blatt Papier abzuholen, auf dem der Auftrag beschrieben ist? Kann dieser Vorgang nicht ebenso über Fax oder EDI abgewickelt werden?
Aber auch auf dem Betriebsgelände Gütersloher Firmen ließ sich so mancher Euro organisatorisch einsparen, ohne dass dadurch notwendige kommunikative Beziehungen und Freiräume eingeengt wurden. Durch die Neukonzeption von Verwaltungsabläufen konnte man Wege und Wartezeiten für Mitarbeiter und Besucher erheblich verringern. Über mobile Rufsysteme lassen sich Materialien so bereitstellen, dass sie direkt abgeholt werden können, und Rückfragen erfordern nicht mehr in jedem Fall, dass ein Arbeitsplatz verlassen wird. Sowohl über Tastatur als auch über Telefon kann jeder das interne Informations– und Wissensnetz nutzen.
Rentabilitätsüberlegungen waren es ebenfalls, die zu einer regelrechten Suche nach Möglichkeiten führte, welche Verwaltungsleistung man im Rahmen der notwendigen Neustrukturierung des Unternehmens nach außen abgeben könne. Zwar mussten erhebliche Widerstände überwunden werden, doch zeigten sich schließlich alle Beteiligten davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, Outsourcing-Methoden einzusetzen, sofern dadurch die Handlungsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens nicht beeinträchtigt wird.
Heute arbeitet man ggf. mit einem externen Schreibbüro, das bei Bedarfsspitzen und Sonderaktionen eingesetzt wird, ebenso zusammen wie mit einem Rechenzentrum, das die Buchhaltungsarbeiten abwickelt und die Datensicherung für das hausinterne Netz übernimmt. Auch die technische Bibliothek wurde weitgehend abgeschafft, und man greift auf Wissensdatenbanken und dem Internet zurück, die Informationen schneller und aktueller bieten. Das alles hatte seinen Preis. Mitarbeiter mussten überzeugt, Investitionen finanziert und nicht zuletzt Vertrauen zu einem Berater aufgebaut werden, dem Berater für Prozess– und Unternehmensorganisation, den man noch vor ganz kurzer Zeit für entbehrlich hielt.
















Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.