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22. August 2010 von JWD (199 Posts)
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Jeder Füh­rungs­kraft kann m.E. Anhand ihres eige­nen Ter­min­ka­len­ders prü­fen, wie oft sie wie lange Zeit in Bespre­chun­gen und Kon­fe­ren­zen ver­brin­gen muss. Immer wie­der haben zudem Unter­su­chun­gen in euro­päi­schen Unter­neh­men zutage geför­dert, dass die Unter­grenze bei 50 Pro­zent der Gesamt­ar­beits­zeit liegt, wobei die Kon­fe­renz­zei­ten um so höhere Anteile der täg­li­chen Arbeits­zeit in Anspruch neh­men, je höher der Rang im Manage­ment ist. Hier wur­den Spit­zen­werte zwi­schen 80 und 90 Pro­zent fest­ge­stellt, was nicht ver­wun­der­lich ist: Manage­ment erfor­dert ein hohes Maß an Infor­ma­ti­ons­aus­tausch, Kom­mu­ni­ka­tion und Kon­trolle. An der Spitze haben nicht „die Macher“, hier haben die Ent­schei­der und Ver­an­las­ser ihren Platz.

Schon der­je­nige, der ledig­lich 50 Pro­zent sei­ner Arbeits­zeit in Sit­zun­gen ver­bringt, kann ein ein­fa­ches Rechen­ex­em­pel auf­stel­len: Er addiert sei­nem Brut­to­ge­halt den unsicht­ba­ren Lohn, den Gesamt­auf­wand für sei­nen Arbeits­platz und die Extras. Eine Faust­for­mel besagt, dass hier­für noch ein­mal ein Bei­trag ange­setzt wer­den sollte, der dem Brut­to­ge­halt ent­spricht. Berech­net man von die­ser Gesamt­summe 50 Pro­zent, so geht dar­aus her­vor, dass – rein aus Sicht auf die Per­so­nal­kos­ten – für Sit­zun­gen und Kon­fe­ren­zen jähr­lich min­des­tens das Jah­res­brut­te­ge­halt aller Füh­rungs­kräfte inves­tiert wird. Die­ser Betrag geht schon bei einem Mit­tel­be­trieb in die Mil­lio­nen – und ent­spricht dabei der Unter­grenze. Je höher die Manage­ment­ebene, desto höher die Summe: Wie aber sieht es mit dem Gegen­wert aus?

Nur sel­ten zei­gen sich Kon­fe­renz­teil­neh­mer mit den Ergeb­nis­sen zufrie­den. 10 bis 30 Pro­zent die­ses von Con­trol­lern kaum beach­te­ten Kon­fe­renz­auf­wands las­sen sich – je nach Aus­gangs­si­tua­tion eines Unter­neh­mens – ohne große Schwie­rig­kei­ten einsparen.

Ver­rä­te­risch müss­ten schon allein die Bezeich­nun­gen „Sit­zun­gen“, „Mee­ting“ oder „Bespre­chung“ wir­ken. Sug­ge­rie­ren sie doch, der Zweck sei das „Sit­zen“, das „Sich-Treffen“ oder das „Bespre­chen“. In der Tat ver­ber­gen sich hin­ter dem Kon­fe­renz­ge­sche­hen tief ver­bor­gene Rituale, die lust­be­tont und äußerst schwer zu durch­bre­chen sind. Sie sind ver­gleich­bar mit dem „Pala­ver“ ande­rer Kul­tu­ren. An sol­chen Ritua­len teil­ha­ben zu dür­fen ist mit Pres­tige ver­bun­den und legi­ti­miert zur Abwe­sen­heit am Arbeits­platz. Dar­über sollte man sich nicht durch Seuf­zer täu­schen las­sen wie „Jetzt muss ich schon wie­der in diese blöde Sit­zung“. Will man durch sys­te­ma­ti­sches Konferenz-Management Zig­tau­sende von Euros ein­spa­ren, trifft man nur vor­der­grün­dig auf Bei­fall, unter­schwel­lig muss man mit hin­hal­ten­dem Wider­stand rechnen.

Jedes Thema einer Kon­fe­renz oder Bespre­chung muss ein Teil­ziel auf dem Weg zu einem sinn­vol­len Gesamt­ziel dar­stel­len. Tages­ord­nungs­punkte sind dem­ent­spre­chend kon­se­quent durch Tages­ord­nungs­ziele zu erset­zen. Schon diese schein­bar kleine Ände­rung in der Wort­wahl kann Wun­der wirken!

Was will der­je­nige, der die­ses Thema auf die Tages­ord­nung setzte, zusam­men mit den ande­ren wäh­rend der Kon­fe­renz erreichen?

Ist die­ses Ziel rea­lis­tisch in der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit?

Sind dazu alle ein­ge­la­de­nen Per­so­nen erfor­der­lich? Sind even­tu­ell auf­grund beste­hen­der Rituale Per­so­nen nicht ein­ge­la­den, die aus ers­ter Hand Infor­ma­tio­nen oder Erfah­run­gen bei­steu­ern können?

Sind Per­so­nen auf­grund beste­hen­der Rituale anwe­send, die das Thema gar nicht betrifft und die wahr­schein­lich gar nichts bei­steu­ern kön­nen? Warum?

Ist den Teil­neh­mern vor­her bekannt, wel­ches Teil­ziel erreicht wer­den soll? Haben sie die Mög­lich­keit, sich best­mög­lich dar­auf vorzubereiten?

Wel­che Mit­tel kön­nen das Errei­chen der Ziele för­dern? Folien? Charts? Bild­schirm­prä­sen­ta­tio­nen? Kön­nen diese Visua­li­sie­run­gen schon zur Vor­be­rei­tung aus­ge­hän­digt werden?

Wel­che Vis­sua­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten sind vorgesehen?

Wie kann die Krea­ti­vi­tät der Teil­neh­mer akti­viert wer­den? Pin­wände? Tafeln? Kreativitätsmethoden?

Schon allein durch die Beach­tung die­ser Fra­gen kön­nen erfah­rungs­ge­mäss Dauer, Ergie­big­keit und damit Kos­ten einer Kon­fe­renz erheb­lich opti­miert wer­den. Visua­li­sie­rung ist ein Muss, denn die rechte Gehirn­hälfte, die unter ande­rem Bil­der, gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen und Struk­tu­ren mit unvor­stell­ba­rer Geschwin­dig­keit simul­tan ver­ar­bei­tet, kommt der schnell ermü­den­den lin­ken Gehirn­hälfte, die digi­tale Infor­ma­tio­nen suk­zes­siv zu ana­ly­sie­ren und zu ver­ste­hen ver­sucht, opti­mal zur Hilfe. Der Volks­mund weiss: Ein Bild sagt mehr als tau­send Worte.

Fragt man daher Kon­fe­renz­teil­neh­mer im eige­nen Hause, was ihnen am häu­figs­ten auf die Ner­ven geht, erhalte ich meist spon­tan fol­gende kri­ti­sche Anmerkungen:

Dis­zi­plin­lo­sig­keit, Ziel­lo­sig­keit (Durch­ein­an­der­re­den, ober­fläch­li­ches Drif­ten von Thema zu Thema, Abschwei­fun­gen unter anderem);

lange Mono­loge, ins­be­son­dere der Chefs und Wichtigtuer;

die Unfä­hig­keit, aktiv zuzuhören;

destruk­tive Kom­mu­ni­ka­tion (Schuld­zu­wei­sun­gen, Her­ab­set­zun­gen, Igno­ranz gegen­über ande­ren Argu­men­ten unter anderem);

vor­ge­fasste Meinungen;

Macht­spiele;

man­gel­hafte Konferenzführung.

Viele die­ser Män­gel las­sen sich durch eine gute Mode­ra­tion ver­mei­den; aller­dings müsste der Moderator/in auch über Auto­ri­tät und Erfah­rung ver­fü­gen. Es bewährt sich des­halb, je nach Größe eines Unter­neh­mens ein oder meh­rere Füh­rungs­kräfte zu Kon­fe­renz­mo­de­ra­to­ren her­an­zu­bil­den, die dann ihrer­seits Wis­sen wei­ter­ge­ben. Die Kos­ten dafür las­sen sich leicht aus den erziel­ten Ergeb­nis­sen finanzieren.

Eigen­ar­ti­ger­weise wird bei Pro­to­kol­len oft des Guten zuviel getan: es hat für mich den Anschein, als wolle man mit umfang­rei­chen Nie­der­schrif­ten die Dürf­tig­keit der Ergeb­nisse kaschie­ren. Meist würde eine karge tabel­la­ri­sche Auf­stel­lung genü­gen, die zu den ein­zel­nen Pro­jekt­zie­len die Fra­gen beant­wor­tet: Wer macht was bis wann mit wel­chem meß­ba­ren Ergebnis?

Ein sol­che Pro­to­koll erleich­tert die nach­hal­tige Erfolgs­kon­trolle in Form einer Offenen-Posten-Buchhaltung. Denn nun gilt es, die gefass­ten Beschlüsse kon­se­quent in die Tat umzu­set­zen und jenen Beine zu machen, die säu­mig sind.

Wer am Ende einer jeden Kon­fe­renz an die Teil­neh­mer ein Blatt aus­teilt, auf dem um Ver­bes­se­rungs­vor­schläge gebe­ten wird, etwa mit dem Text: „Wir haben jetzt drei Stun­den kon­fe­riert. Sind Sie mit dem Ergeb­nis zufrie­den? Wel­che Ver­bes­se­run­gen schla­gen Sie vor?“, der wird viele überein­stim­mende Vor­schläge erhal­ten. Setzt man sie um, wird man schon nach drei Kon­fe­ren­zen fest­stel­len, dass diese kür­zer, knap­per, prä­zi­ser und effi­zi­en­ter verlaufen.

Ein deut­scher Kir­chen­fürst soll das 11. Gebot so for­mu­liert haben: „Du sollst keine unnütze Kon­fe­renz ein­be­ru­fen!“ Dem ist eigent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen, doch muss man – in mei­nen Augen — das dif­fe­ren­zier­ter sehen. Zum Bei­spiel brauch­ten viele kon­ven­tio­nelle Kon­fe­ren­zen gar nicht statt­fin­den, wenn man sich statt des­sen eine Telefon-Konferenz mit Video-Unterstützung arran­gie­ren lässt. Das erspart Fahrt­zei­ten, Rei­se­kos­ten, Gefähr­dun­gen – und jede gute Sekre­tä­rin weiss, wie leicht eine sol­che Telefon-Konferenz zu orga­ni­sie­ren ist. Auch die Mög­lich­keit von brow­ser­ba­sier­ten Video-Konferenzen kann man sich erschlie­ßen. Man muss dafür nicht über ein eige­nes Stu­dio ver­fü­gen. DSL und VPN mach auch hier schon einiges/vieles mög­lich. Effi­zi­en­tes Kon­fe­renz­ma­nage­ment ist keine Hexe­rei, aber lieb­ge­won­nene Rituale zu zer­stö­ren, braucht Ausdauer.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 22. August 2010 um 11:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Innenansicht abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
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